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"Die Geister, die ich rief ..." von Andreas Raabe
Schneller! Wo ist sie? Ist sie noch hinter mir? Kann sie nicht hören.
Laufe weiter. Warum muss es nur so dunkel sein; Wo sind die Sterne, wo der
Mond? Über mir ist nichts, außer schwärzeste Nacht. Meine
Augen haben sich halbwegs an das Dunkel gewöhnt. Dennoch sehe ich kaum,
wohin ich laufe. Um mich herum befindet sich nichts als Bäume und
Büsche. Tiefschwarze Schatten in der Dunkelheit. Äste schlagen
gegen meine Arme, Zweige kratzen über mein Gesicht. Ich stolpere über
Wurzeln und Steine, mehr als einmal stürze ich. Doch ich wage nicht,
liegen zu bleiben. Ich muss weiter. Ich muss schneller sein. Aber meine Lunge
brennt, mein Herz schmerzt. Die Füße halb taub, die Beine so schwer.
Nicht stehen bleiben, nicht warten, keine Zeit um Luft zu holen. Weiter,
weiter, weiter... Sie ist hinter mir. Sie wird mich holen. Sie wird mich...
Nicht dran denken, schneller laufen. Die Schmerzen ignorieren, die
Erschöpfung. Die Furcht...
"Schattentheater" von Linda Budinger
"Macht's gut, ihr Versager", rief Lars von draußen. Die schwere
Glastür der Aula fiel ins Schloss. Ein Schlüssel wurde zweimal
herumgedreht. Mark zuckte bei dem Geräusch zusammen. Er griff in die
Jackentasche, doch der Schlüsselbund war verschwunden. Wie ärgerlich,
gerade hatte er die Schlüssel noch in der Hand gehabt. Er fasste die
Taschenlampe fester. Julian fuhr herum. "Das war nicht abgemacht", krächzte
er. Seine Stimme klang ängstlich. "Der schließt uns hier ein!"
"Ein afrikanisches Wiegenlied" von Charlotte Engmann
Am Flughafen von Tunis bestiegen die beiden Vampire ein Taxi. In einem Arabisch,
das seit hunderten von Jahren veraltet war, nannte Lukas eine Adresse am
Stadtrand. Der Taxifahrer zögerte, nicht willens, in dieses
heruntergekommene Viertel zu fahren, doch ein paar große Dinar-Scheine
vertrieben sein Unbehagen. Er startete den alten Peugeot und fuhr seine
Passagiere durch die Nacht, die schon bald dem Morgen weichen
würde...
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